Neue Öffnungszeiten dank TÜV Website Check

Als weltweit führender technischer Dienstleistungskonzern bietet der TÜV Rheinland – genauer gesagt die TÜV Rheinland i-sec GmbH – auch einen sogenannten „Website Check“ an. Dieser TÜV Website Check ist angesiedelt im Bereich „Consulting und Informationssicherheit“ und scheint eine gute Möglichkeit zu sein, seine eigene Website einmal auf den Prüfstand zu stellen.

Auf den ersten Blick macht das Angebot des TÜVs einen recht guten Eindruck: Sogenannte „Experten“ und „erfahrene Web-Profis“ analysieren die Website, weisen Stärken und Schwächen auf und sprechen klare Handlungsempfehlungen aus. Der Fokus liegt selbstverständlich auf den neuesten Erkenntnissen und deckt auch Bereiche wie Online- und Suchmaschinen-Marketing sowie Social Media mit ab. Auch die Usability einer Website wird im Rahmen des Website Checks unter die Lupe genommen. Besteht eine Website den TÜV-Test, so darf sie sich mit dem TÜV Rheinland-Siegel schmücken. Ein Siegel vom TÜV, das klingt natürlich gut.

Egal ob es sich um einen vom TÜV gewarteten Aufzug oder aber um eine vom TÜV überprüfte und ausgezeichnete Website handelt, was der TÜV prüft und mit einem Siegel auszeichnet, ist gut. So nach dem Motto „Wo Nutella draufsteht, ist auch Nutella drin“. Leider mussten wir feststellen, dass der hoch angepriesene Website Check nicht das hält, was er verspricht. Es ist eben doch nicht alles Gold was glänzt. 😉 Zu bemängeln ist in diesem Falle aber nicht die geprüfte Website, sondern – wer hätte das gedacht – das angewandte Prüfungsverfahren des TÜVs selbst.

Woher wir das wissen? Nun ja, einer unserer Kunden hat die TÜV Rheinland i-sec GmbH mit der Analyse seiner Website beauftragt und hat uns freundlicherweise einen Blick auf den Abschlussbericht werfen lassen.

Der Abschlussbericht umfasst 82 Seiten, überprüft wurden folgende Punkte:

  • Content-Check
  • Zielgruppen-Check
  • Design-Check
  • Markenorientierung / Markenbildung / Branding
  • Usability-Check
  • Service-Check
  • Funktions-Check
  • Rechts-Check

Am Ende der einzelnen Abschnitte folgt eine Auflistung von Handlungsempfehlungen, der Bericht selbst endet mit einem abschließenden Fazit. Soweit so gut.

Die hohe Seitenanzahl vermittelt den Eindruck, dass sich die „Experten“ und „Web-Profis“ viel Zeit genommen und die Website im Detail analysiert haben. Auf Seite 5 erfahren wir etwas zur Berichtserläuterung und dem Bewertungssystem im Allgemeinen, auf Seite 6 folgt dann eine Zusammenfassung des Website Checks und wir erfahren, wie gut die analysierte Website insgesamt abgeschnitten hat. Ab Seite 7 geht es los und wir sind gespannt auf die Analyseergebnisse.

Der TÜV Website Check beginnt mit der Überprüfung und Analyse des Contents. Der erste Punkt lautet: „Gibt es eine Anfahrtsbeschreibung?“ und wir fragen uns, wieviel eine vorhandene oder fehlende Anfahrtsbeschreibung wohl über den Content einer Website aussagt und was für Punkte wohl noch auf der TÜV-Checkliste stehen. Manch einer wird sich fragen, weshalb der Content-Check ausgerechnet mit der Anfahrtsbeschreibung beginnt. Die Antwort liegt nahe, beginnt unser Alphabet doch mit dem Buchstaben A. A wie Anfahrtsbeschreibung, ist doch logisch. 😉

Aber kommen wir erst einmal zurück zu dem analysierten Punkt: Eine Anfahrtsbeschreibung gibt es, die volle Punktzahl gibt es hierfür aber nicht. Warum das so ist? Das ist anscheinend streng geheim, verraten wird es an dieser Stelle jedenfalls nicht. Das ist aber auch nicht so wichtig, denn viel wichtiger ist der zweite Punkt auf der Liste: „Gibt es Informationen zu Öffnungszeiten/Geschäftszeiten?“
Schon beim Lesen dieser Frage fällt es unserem Kunden wie Schuppen von den Augen: Öffnungszeiten? Öffnungszeiten?? Da war doch etwas…
Ein Blick auf die eigene Website bestätigt das ungute Gefühl: sie fehlen! Kein Wunder, dass es hierfür vom TÜV nur 0 von 5 Sterne gibt. Eine Krisensitzung muss einberufen werden, denn so etwas darf einfach nicht passieren. Wobei: unser Kunde ist doch ein B2B-Betrieb und kein Einzelhandelsgeschäft, da gibt es doch gar keine Öffnungszeiten?! Aber egal, wen interessiert es? Laut TÜV MÜSSEN die Öffnungszeiten nämlich unbedingt an einer prominenten Stelle platziert werden. Also gehören da auch welche hin. Für das nächste Vorstandsmeeting steht nun also ganz oben auf der Liste: Die Einführung von Öffnungszeiten. Woher sollen die Besucher der Website sonst wissen, wann sie denn einmal anrufen oder besser noch auf einen Kaffee vorbeikommen können? Aber es ist ja noch einmal gut gegangen und die Einführung der Öffnungszeiten ist in Arbeit, zum Glück. Also, auf zum nächsten Punkt!

Während wir uns fröhlich weiter durch die Seiten und die insgesamt 120 Punkte durcharbeiten, müssen wir leider feststellen, dass es sich bei der durchgeführten Analyse lediglich um eine allgemeine, recht oberflächliche Analyse handelt. Der Abschlussbericht enthält zwar keine grundsätzlich falschen Informationen, jedoch erfährt man aus der Analyse des TÜVs mit Fragen wie

  • Findet man Informationen über Parkmöglichkeiten?
  • Wird eine Sitemap angeboten?
  • Ist ein Call-Back-Button verfügbar?
  • Gibt es einen FAQ-Bereich?
  • Wird eine Suchfunktion angeboten?

leider auch nichts Neues.

Anscheinend wurde hier nur ein allgemeiner Fragenkatalog abgearbeitet. Wir fragen uns, ob die Website tatsächlich von „Experten“ oder „erfahrenen Web-Profis“ analysiert wurde. Wohl eher nicht. Um herauszufinden, ob es auf der eigenen Website eine Suchfunktion gibt, dafür braucht man keine Profis und erst recht nicht den TÜV 😉

Anstatt eines an das zu untersuchende Unternehmen angepassten Website Checks handelt es sich nur um einen wenig aussagekräftigen Standard-Check. Statt detaillierter Analyseergebnisse erhält man lediglich eine Aneinanderreihung zusammengesetzter Textbausteine. Dass einem als Handlungsempfehlungen maßgeschneiderte Lösungen angeboten werden, davon kann man nur träumen.

Schön sind auch die Bewertungen bzw. Anmerkungen zu einigen Punkten: auf der einen Seite wird das Verhältnis von Text und Bild als unausgewogen bezeichnet, im weiteren Verlauf heißt es wiederum, dass sich Bilder gut in den Gesamteindruck einfügen, nur damit es zu einem späteren Zeitpunkt dann doch wieder heißt, dass die Bildsprache wenig aussagekräftig ist und „keinen wirklichen Bezug zu den textuellen Inhalten“ herstellt. Hü-Hott-Hü-Hott, was stimmt denn nun? Entweder das Text-Bild-Verhältnis stimmt oder es stimmt nicht. Was auf die Website unseres Kunden nun wirklich zutrifft, das erfährt man leider nicht. Ein rundes Bild ergeben die Analyseergebnisse insgesamt jedenfalls nicht. An dieser Stelle hätte man sich auch mit folgender Frage beschäftigen können: Was war zuerst da – Huhn oder Ei? Das hilft mindestens genauso wenig weiter wie die Ergebnisse der Analyse, wäre aber aller Wahrscheinlichkeit nach viel spannender gewesen.

Zu guter Letzt wollte sich unser Kunde natürlich recht herzlich beim TÜV für die durchgeführte Analyse bedanken. Allein für den Hinweis über die fehlenden Öffnungszeiten hat sich der Website Check schon bezahlt gemacht. Wieso nur befindet sich auf der Website der TÜV Rheinland i-sec GmbH keine Information darüber, wann denn jemand unter der angegebenen Telefonnummer zu erreichen ist? Das muss doch irgendwo auf der Seite stehen…!? Wir hätten da einen super Tipp: Es gibt da den TÜV, ein weltweit führender technischer Dienstleistungskonzern, der einen „Website Check“ anbietet. Bei diesem Check analysieren „Experten“ und „erfahrene Web-Profis“ die Website und…

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Über Tu Phuong Luu

Seit Mitte 2012 bei der Marketing Factory Consulting GmbH zuständig für die Leitung von Online-Projekten inkl. Angebotserstellung und Kalkulation, interner und externer Koordination, Qualitätssicherung und allem, was sonst noch so dazu gehört...

Homepage: http://www.marketing-factory.de