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Google Universal Analytics wird eingestellt – was jetzt?

Google Universal Analytics Daten stehen ab Sommer 2023 nicht mehr zur Verfügung.

In einem Post auf der Analytics Support Seite verkündete Google gerade die Einstellung der älteren Version von Google Analytics in Form von Universal Analytics ab Juli 2023. Es werden danach nicht nur keine neuen Daten mehr für die Universal Properties mehr erfasst. Vielmehr werden nach einer Übergangsfrist von voraussichtlich 6 Monaten alle alten Daten aus den Properties komplett gelöscht.

Werden die alten Daten von den Account-Inhabern noch zu Vergleichszwecken benötigt, ist es sinnvoll, diese vorher über einen Export zu sichern oder noch ein letztes Mal entsprechende Reports zu generieren. [Nachtrag:  Markus Baersch hat dazu eine hilfreiche Denkhilfe verfasst: Universal Analytics Daten sichern – was und wie?]

Die Ursache für diese Kompletteinstellung liegt wahrscheinlich in der aktuellen Datenschutzdiskussion begründet. Speziell die aktuellen (vorläufigen) Urteile in Frankreich und Österreich, die den Einsatz von Universal Analytics als derzeit in der EU nicht datenschutzkonform möglich einschätzen.

Lohnt sich der Umstieg auf GA4 als Ersatz?

Google selbst verweist auf die neuere Analytics-Version GA4 als Ersatz für Universal Analytics.  Auch dieser Dienst ist kostenlos und lässt sich recht schnell einrichten. Nach Oktober 2020 eingerichtete Google-Accounts nutzen sogar möglicherweise schon den entsprechenden Code und müssen zumindest bei der Integration auf der Website oder im Google Tag Manager nicht mehr aufwändig angepasst werden.

Wenn GA4 später weiter genutzt werden soll, lohnt es sich in jedem Fall, die Property zusätzlich zu Universal Analytics sofort einzurichten und im letzten Jahr vor der Einstellung parallel zu betreiben, um ein Gefühl für die neuen Zahlen zu gewinnen. Bei GA4 ändert sich grundsätzlich das Konzept der Datenerfassung und -aufbereitung, sodass die jeweiligen Statistiken nicht mehr direkt miteinander vergleichbar sind.

Google betont derzeit, dass GA4 deutlich datenschutzkonformer als sein Vorgänger Daten erheben wird. Prinzipiell ist es z.B. möglich, GA4 cookielos einzusetzen, da die Daten nun ereignisbasiert (und nicht mehr sessionbasiert) erfasst werden. Die IP-Adressen der Nutzer werden bereits automatisch anonymisiert.

Allerdings reichen die Anpassungen immer noch nicht aus um die EU-Datenschutzbehörden zufriedenzustellen. Auch GA4 liest Daten aus den Nutzer-Endgeräten aus und wertet die gewonnenen Daten nach wie vor in Rechenzentren in den USA aus.

Langfristig sollte man sich daher zumindest schon einmal nach Alternativen für die eigenen Analyse-Bedürfnisse umschauen, bei denen sichergestellt ist, dass die Daten nicht außerhalb der EU ausgewertet werden, bzw. möglichst nicht den Einflussbereich des Anbieters verlassen.

Auf jeden Fall sinnvoll: den derzeitigen Webanalyse-Ansatz überdenken

Die Einstellung von Universal Analytics ist also in jedem Fall ein guter Anlass, grundsätzlich noch einmal den Ist-Zustand der eigenen Webanalyse-Tools zu überdenken.

1. Wichtig für den Datenschutz: ist der derzeitige Einsatz von Universal Analytics bereits konsensbasiert umgesetzt?

Inzwischen kommt es immer häufiger zu Abmahnungen durch Datenschutzbehörden, wenn Universal Analytics Cookies und Analytics-Tracking-Skripte ohne ausdrückliche Einwilligung des Nutzers ausgeliefert werden.

Es reicht definitiv nicht, den Einsatz in der Datenschutzerklärung mit Hinweis auf berechtigtes Interesse oder einen Verweis auf ein nutzerseitiges Opt-Out in der Datenschutzerklärung zur Verfügung zu stellen. Vielmehr muss im Consent-Management-Tool (umgangssprachlich besser bekannt als „Cookie-Banner“) ausdrücklich eine Zustimmung des Nutzers abgefragt werden.

Erfahrungsgemäß reduzieren sich die erfassten Nutzerdaten nach Umstellung auf Consent auf ca. ein Drittel der vorherigen Zahlen. Daher ist es auch wichtig,  den Zeitpunkt der Umstellung auf Consent zu dokumentieren, um den Einbruch der Zahlen später in den Reports sinnvoll begründen zu können.

2. Dokumentation: Welche Analyse-Accounts und -Properties sind derzeit für die verschiedenen Websites im Einsatz und wer hat darauf Zugriff?

Bei langjährigen und vielfältigen Webprojekten kann es vorkommen, dass auch viele verschiedene Analyseprogramme zum Reporting eingerichtet wurden, auf die teilweise unterschiedliche Personen oder Dienstleister Zugriff haben. Daher ist es sinnvoll, hier einmal eine Bestandsaufnahme zu machen.

  • Welche Analyse-Accounts bei Google gibt es aktuell?
  •  Wer hat dort Administrator- / Owner-Rechte und kann diese weitergeben?
  • Für wen / welchen Nutzern wurde in der Vergangenheit Zugriff auf diese Accounts gewährt? Sind diese Nutzer alle noch aktuell?
    Oder können möglicherweise „Karteileichen“ beseitigt werden?
  • Sind die Rechte sinnvoll vergeben?

Wir empfehlen grundsätzlich, alle Accounts mit klar erkennbaren,  personalisierten Adressen anzulegen.

Falls die Analyse-Programme über den Google Tag Manager ausgeliefert werden, sollte auch hier geklärt werden, welche Accounts und Container für die jeweiligen Projekte angelegt wurden, und wer dort Zugriffsrechte hat.

3. Was wird derzeit ausgewertet und analysiert? Werden die für den Zweck der Website wichtigen Nutzer-Ereignisse sinnvoll erfasst?

Bei dieser Gelegenheit kann auch gleich mit überprüft werden: wer wertet derzeit die Ergebnisse der Webanalyse aus? Ist sichergestellt, dass mögliche Schwachstellen des Webauftritts erkannt und verbessert werden? Werden die für die hoffentlich genau definierten Ziele der Website wichtigen Ereignisse bereits ausreichend erfasst und ausgewertet?

In manchen Fällen werden die Daten aus den initial aufwändig eingerichteten Webanalyse-Accounts gar nicht intensiv genutzt und / oder für Verbesserungen herangezogen. Wenn dies der Fall ist und nur einmal im Jahr ungefähre Zugriffszahlen weitergegeben werden sollen, kann der Website-Betreiber darüber nachdenken, die Webanalyse für die betroffene Seite zu deaktivieren und sich danach auf reine Logfile-Analyse-Daten beschränken.

Eine positive Auswirkung des Verzichts: möglicherweise kann so vollständig auf den Consent-Management-Banner verzichtet werden.

Alternative Webanalyse-Tools wie Matomo prüfen

Wenn die Webanalyse-Daten unbedingt benötigt werden und die Beachtung der EU-Datenschutzrichtlinen für das Unternehmen ein wichtiger Punkt ist, sollte die Gelegenheit genutzt werden, alternative Analyse-Tools zu evaluieren, die eine Datenverarbeitung auf eigenen Rechnern oder zumindest garantiert auf Servern in der EU ermöglichen.

Eine mögliche Alternative ist das kostenlose Anaylsetool Matomo. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Webanalyse datenschutzkonform durchzuführen. Der Einsatz von Matomo ist in bestimmten Konfigurationen sogar ohne das Setzen von Cookies möglich, sodass auf den Einsatz von Consense-Management-Tools verzichtet werden kann.

Hier fallen dann allerdings, neben den Umstellungskosten, zusätzlich Lizenzgebühren für sinnvolle notwendige Erweiterungen sowie Kosten für Datenspeicherplatz an, die mit einkalkuliert werden müssen.

Auch sollte im Hinterkopf gehalten werden, dass sich die Verknüpfung mit Daten anderer Google-Tools wie z.B. Search Console Daten oder Google-Ads-Kampagnen deutlich schwieriger gestaltet als mit Google Analytics.

Kommt bald die Rückkehr der reinen Logfile-Analyse-Tools?

Ältere Netizens erinnern sich wahrscheinlich noch an die früher üblichen Logfile-Analyse-Tools wie AWStats mit seinem charmant-angestaubten HTML 3.1 Layouts. AWStats gibt es tatsächlich immer noch und kann für die ganz einfachen Analyse-Bedürfnisse eingesetzt werden, wenn bei der Konfiguration sichergestellt wurde, dass IP-Adressen anonymisiert  ausgewertet und  nicht über die erlaubten Zeiträume hinweg gespeichert oder gar veröffentlicht werden. Wenn keine ausgefeilten Event-Analysen notwendig sind, ist diese Lösung sicherlich eine mögliche Alternative zu Universal Analytics.

Vermutlich wird es in naher Zukunft auf diesem Gebiet noch weitere Anbieter verbesserter Logfile-Analyse-Programme geben, die von Anfang an für eine datenschutzkonforme Analyse ausgelegt werden. Vermutlich werden diese dann mit sessionbasierten Auswertungen kombiniert, um Events mit zu erfassen. Es lohnt sich also, die Augen offenzuhalten.

 

Bildquellen

  • Google Analytics Titelbild: Bildrechte beim Autor | CC 0

Über Karoline Steinfatt

Bio als 3. Abifach. Orchideenfächer studiert. Jetzt 'was mit Internet. U.a. Frontend, TYPO3, Social Media und Suchmaschinen.

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