Google Search Console für Redakteure

Google Search Console für Redakteure: SEO-Tipps für Texter

In diesem Beitrag zeigen wir, wie die neue Google Search Console für Redakteure eingesetzt werden kann, um wichtige Erkenntnisse und Ideen für die eigenen Inhalte zu erhalten. Wir nutzen den Leistungsreport für Keywords aus der Search Console schon lange als Ideengeber für die praktische Redaktionsarbeit und Contentplanung.

Die neue Version der Google Search Console

Seit einiger Zeit arbeitet Google bereits an der neuen Version der Google Search Console (GSC), die früher auch unter dem Namen Google Webmaster Tools bekannt war. Leider sind jedoch noch nicht alle nützlichen Webmaster-Funktionen in die neue Oberfläche umgezogen und überarbeitet worden.

Zur Freude von Redakteuren und SEOs ist aber der neue Leistungsbericht bereits weitgehend fertiggestellt und bietet viele neue Features, die in der alten Version oft schmerzlich vermisst wurden. In der alten GSC war der Bericht unter den Menüpunkten „Suchanfragen > Suchanalyse“ zu finden. In der neuen Console gelangt man direkt unter dem Menüpunkt „Leistung“ (englisch: „Performance“) zu dem nützlichen Report.

Der Leistungsbericht verrät dem Redakteur, zu welchen Suchphrasen seine Inhalte Traffic aus der Google Suche erhalten haben und bietet sehr vielfältige Möglichkeiten zum Filtern und Auswerten der Statistiken. Damit findet man schnell ungehobene Content-Schätze und Verbesserungsmöglichkeiten für die wichtigsten Seiten.

Endlich die saisonale Keyword-Leistung über das ganze Jahr auswerten!

Die größte Verbesserung gegenüber der alten Version ist der Auswertungszeitraum von 18 Monaten: Während früher im Bericht nur das letzte Quartal zur Verfügung stand, kann der Redakteur jetzt die Performance seiner Keywords über das ganze Jahr hinweg betrachten und sogar mit dem Vorjahresquartal vergleichen. Gerade bei Themengebieten mit starken jahreszeitlichen Schwankungen wie z.B. einem Gartenblog oder Bastelanleitungen ist diese Erweiterung Gold wert.

Eine unschöne Kinderkrankheit der neuen Searchconsole findet man noch in der Frontend-Ausgabe der Berichte: Bei langen URL-Seitenadressen in der Vergleichsansicht, wird bei der Darstellung der Ergebnisse derzeit oft noch ein entscheidender Teil der Daten einfach abgeschnitten.

Tipp: am besten gleich die Ergebnisse als Tabelle herunterladen und lokal weiterbearbeiten.


Praktische Arbeit mit der Google Search Console für Redakteure

1. Unwichtiges herausfiltern und die spannenden Suchworte finden

Bei fast allen Firmenpräsenzen und Shops zeigen Suchkombinationen mit dem eigenen Brandnamen (Firmenname oder Markenname) im Leistungsbericht die beste Performance.  Bedauerlicherweise sind genau diese Phrasen für den Content-Redakteur, der organische Rankings erreichen möchte, eher uninteressant. Zum Glück bietet die neue Filterleiste die Möglichkeit, beliebig viele Filter (auch als Ausschlussfilter) für die Suchbegriffe anzulegen. Hier sollte der Redakteur möglichst schon eine Liste der wichtigsten Brand-Keywords zum Herausfiltern griffbereit haben, oder sich eine Bookmark auf vorgefilterte Ergebnisseiten anlegen. Wenn man alles richtig gemacht hat, sieht man danach nur noch die gewünschten organischen Suchbegriffe.

Wenn die Website viele Inhaltsbereiche hat, kann man zusätzlich noch Seitenfilter mit Verzeichnisnamen setzen, um die Keyword-Funde auf bestimmte Kategorien einer Seite zu einzuschränken.

Jetzt sieht man schon ziemlich genau, welche Keywords in welchen Bereichen gut ranken und Traffic von Google gebracht haben.

Durch Klick auf ein einzelnes Keyword und Wechsel in die Seiten-Lasche kann man auch gleich feststellen, welche Seite konkret für die Phrase als Ergebnis ausgegeben wurde. Findet man mehr als eine Landeseite pro Phrase, muss überprüft werden, ob Keyword-Kannibalismus vorliegt (oder man macht gleich mit dem Schärfen der Seitenprofile weiter, wie unter Punkt 4. beschrieben).

2. Stärken und Schwächen der Inhalte finden

Die herausgefilterten organischen Rankings und Seiten mit den meisten Klicks und Rankings lassen sich jetzt – angereichert um die zusätzlichen Daten zur Click-Through-Rate (CTR) und durchschnittlichen Ranking-Position – wunderbar lokal als Tabelle abspeichern und genauer untersuchen. Interessant sind dabei vor allem Seiten und Begriffe die auffallend gut oder schlecht performen, z.B. Seiten, die trotz schlechter Rankings eine besonders hohe CTR haben, oder Seiten, die trotz guter Platzierungen kaum Traffic für ihre wichtigsten Keywords bekommen.

Bei den Inhalten mit sehr viel Suchmaschinentraffic (bei uns intern gerne als die „Star-Seiten“ betitelt) sollte man herausarbeiten, welche Faktoren sie so erfolgreich gemacht haben:

  • Gibt es eventuell nur wenige Konkurrenten, die ein ähnliches Thema berarbeiten?
  • Sind die Inhalte ausführlicher oder auf eine bestimmte Zielgruppe passgenauer zugeschnitten?
  • Stehen spezielle Medientypen zur Verfügung, die andere nicht haben?
  • Passen sie besonders gut zur vermuteten Suchabsicht des Nutzers?
  • Oder sind die Metadaten wie Titel und Description besonders einladend gestaltet?

Im Redaktionsplan sollte dann versucht werden, diese Erfolgsfaktoren auch auf andere priorisierte Inhalte zu übertragen.

Noch wichtiger ist es aber, die Ursachen für schlechte Leistungen zu finden. Wenn eine Seite nicht für die Keywords rankt, für die sie mühevoll optimiert wurde, sondern nur für sehr viel spezifischere Nebenkeywords, so sollte man die Optimierungsstrategie noch einmal auf den Prüfstand stellen. Eventuell muss man sich erst mehr Autorität in Spezialgebieten erwerben, bevor man die generelleren Begriffe ins Visier nehmen kann. Eine Auswertung der schwächeren Suchphrasen im Zusammenhang mit der Seite kann dabei Hinweise geben, welche Themen noch ausbaubar sind, um sich mit noch mehr Content als Experte zu beweisen.

Genereller Tipp zum Einsatz Leistungsberichten
Auch wenn der Leistungsreport ausführliche und korrekte Daten zu liefern scheint, sollte man die gewonnenen Erkenntnisse immer noch einmal mit den echten Suchergebnis-Seiten bei Google und den Seiten der Konkurrenz vergleichen. Nur so kann man prüfen, ob die Schlüsse, die man gezogen hat, wirklich zutreffen. Wer z.B. automatisch alle Seiten mit schlechter CTR im Redaktionsplan zur Überarbeitung der Metadaten einträgt, übersieht eventuell eine offensichtlichere Ursache. So kann es sein, dass eine Beratungsseite bei einer Suchphrase, die von Google offensichtlich als typischer Kaufwunsch eingestuft wird, generell schlecht performt. Daher sollte man immer auch weitere Beobachtungen und andere Tools in die Analyse miteinbeziehen.

3. Inspiration für neue Inhalte finden: Zu welchen Suchphrasen fehlt noch Content?

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für effektive Content-Arbeit mit dem Leistungsbericht der GSC ist, dass der Redakteur seine Inhalte wirklich gut kennt. Bei der Analyse der Suchworte sollte man immer wissen, welche Themenbereiche von der Zielseite tatsächlich abgedeckt werden und wo eventuelle Stärken und Schwächen der Seite liegen. Nur so kann man beurteilen, ob die Suchintention der einzelnen Begriffe auf der Suchergebnisseite wirklich befriedigt werden oder, ob noch nachgearbeitet werden muss.

Eventuell entdeckt man dabei auch unpassende Suchbegriffe, die man zu den Inhalten der Seite überhaupt nicht erwartet hatte und bei denen abzusehen ist, dass die Suchenden auf der eigenen Seite enttäuscht werden. In diesem Fall sollte man die missverständlichen Formulierungen besser durch fachspezifische Begriffe ersetzen, die besser zu der Seite passen. Denn, auch wenn man sich eventuell über das mehr an Traffic freut, produzieren langfristig gesehen fehlgeleitete Besucher negative Nutzersignale, die man vermeiden möchte.

Hierzu ein paar Beispiele von interessanten Suchbegriff-Funden aus der Praxis:

Beispiel: Erfolgreiche Keywords trotz karger Inhalte? Inhaltserweiterung nötig

Auffälligkeit im Report:
Ein Gartenblog hat einen Eintrag zu einem Schädling, der im letzten Jahr als besonders massive Plage auftrat. In dieser Zeit wird der Artikel zum mit Abstand am häufigsten aufgerufenen Artikel im Blog, der über eine große Zahl unterschiedliche Suchanfragen rund um den Umgang mit dem Schädling Traffic erhält. Auffällig ist allerdings eine Häufung von Suchanfragen rund um die amtliche Meldepflicht dieses Schädlings, obwohl diese im Artikel nur im letzten Absatz beiläufig erwähnt wurde. Die Seite rankt für fast alle der Meldepflicht-Begriffe auf den ersten fünf Ergebnisplätzen.

 

Empfehlung:
Offenbar besteht ein hoher Bedarf an Informationen zur Meldepflicht. Daher sollte dieser Bereich ausgebaut und deutlich weiter oben im Artikel platziert werden. Es bietet sich an, die Überarbeitung im Redaktionsplan spätestens 3 Monate vor der nächsten Schädlingssaison einzuplanen.

Beispiel: Unerwartet erfolgreiche Suchen – Idee für neue Contents?

Auffälligkeit im Report:
Eine Gartenseite hat ein Glossar zu Blumenarten, bei der die einzelnen Blumen in einer Übersichtsseite alphabetisch sortiert verlinkt sind. Ein großer Teil des Traffic kommt zu den Rubrikenüberschriften „Blume mit {BUCHSTABE}“.

Empfehlung:
Diese Suchanfragen scheinen nicht wirklich zu einer Gartenseite zu passen. Eine mögliche Intention der Suchenden könnte sein, bei einem Spiel wie „Stadt, Land, Fluss“ zu schummeln. Hier kann man darüber nachdenken, ob man in einem neuen Nebenprojekt passende Cheat-Listen gebündelt anbieten möchte.

4. Inhaltsüberschneidungen finden und Inhaltsprofile schärfen

Idealerweise sollte für jede erfolgreiche Suchphrase in der Seitenansicht auch nur eine Zielseite auftauchen, die von Google als passendes Ergebnis für die Suchphrase angesehen wird. Tauchen mehrere Zielseiten auf, kann das auf ein internes Verlinkungsproblem hindeuten. Google kann sich offenbar nicht entscheiden, welche Seite für die Phrase ein besseres Ergebnis ist.

Hier kommt der Seiten-Vergleichsfilter zum Einsatz. Mit diesem Filter kann der Redakteur prüfen, ob es noch weitere Keyword-Überschneidungen zwischen den Seiten gibt.

Die beste Lösung in diesem Fall ist natürlich die Zusammenführung ähnlicher Inhalte zu einer einzigen Landeseite. Wenn das aus strategischen (oder unternehmenspolitischen) Gründen nicht möglich sein sollte, kann man die Ergebnisse auch dazu nutzen, das Inhaltsprofil der beiden Zielseiten für einen Unterthemenbereich zu schärfen.

In manchen Fällen ist es aber auch strategisch sinnvoll, mit verschiedenen Seitentypen zum gleichen Themengebiet und teilweise auch zu den gleichen Keywords zu ranken. Ein gutes Beispiel dafür ist, wenn man zu einer bestimmten Shopkategorie auch eine passende Informations- bzw. Beratungsseite anbieten möchte. Hier kann man mit dem Vergleichsfilter (als Sonderform des Seitenfilters) überprüfen, ob man die Seiten gut genug ausdifferenziert hat.

Hier als Beispiel die Vergleichs-Auswertung von einem Kunden, bei dem Shopseite und Beratungsseite jeweils für sehr ähnliche Suchworte optimiert wurden. (Aus Diskretions- und Datenschutzgründen mussten wir hier leider die Phrasen „pseudonymisieren“ . Die echten Suchbegriffe sind der Redaktion bekannt. 😉 )

Hier kann man sehen, dass die „Arbeitsteilung“ zwischen Shop- und Beratungsseite schon relativ gut zu funktionieren scheint. Konkrete Produktsuchen und Suchphrasen mit „kaufen“ oder „Preise“ landen auf der Shopkategorieseite. Informationssuchen und Einsatzfragen werden auf die Seite mit dem Ratgeber-Content geleitet. Interessant sind aber vor allem auch die Begriffe, für die beide Seiten ranken und Traffic erhalten. Zurückzuführen ist das auf die automatischen Produktplatzierungen im Beratungscontent, die direkt zu den Produktdetailseiten führen.  Da teilweise beide Seiten aussichtsreiche Rankings haben, muss hier nicht unbedingt eingeschritten werden.

Handlungsbedarf besteht eher bei Phrasen, die vorwiegend Traffic für die „falsche“ Seite erzeugen. „Vernippelung selber machen“ wäre zum Beispiel ein Begriff, den man eher auf die Beratungsseite verlinkt sehen möchte. Hier sollte der Ratgeberinhalt noch entsprechend ausgebaut werden.

Ebenfalls unschön ist die sehr niedrige CTR für das Haupt-Keyword („vernippeln“) für die Beratungsseite. Offenbar muss hier noch etwas an der Attraktivität der Metadaten getan werden, um mehr Leser zum Klick der Fundstelle zu bringen.

Mithilfe des Vergleichsfilters lassen sich so langfristig die Seiten besser passgerecht abgleichen und die Nutzer in den verschiedenen Phasen des Kaufprozesses der jeweils passenden Landeseite zuführen.


Fazit zum Leistungsbericht der GSC:

Der neue Leistungsbericht aus der Google Search Console bietet für Redakteure und Texter sehr viele hilfreiche Funktionen zur Bewertung und Überarbeitung der eigenen Contents. Durch die vielfältigen Filterfunktionen lassen sich schnell Erkennisse zu Erfolgsfaktoren und Schwächen gewinnen, die bei der weiteren Redaktionsplanung einfließen und den Inhalten gezielt mehr Suchmaschinentraffic zuführen können. Hier gibt es kostenlos viele Einsichten, die bei kommerziellen Tools sehr teuer angeboten werden; man muss sich bloß etwas mehr Mühe bei der Auswertung geben.

Bildquellen

  • gsc-leistungsbericht: Screenshot GSC (Marketing Factory)
  • eichenprozession-anonym: Screenshot GSC (Marketing Factory)
  • Auswertung Blumenkeywords: Screenshot GSC (Marketing Factory)
  • Vergleichstabelle: Shopkategorieseite gegen Beratungsseite: Screenshot Tabelle aus GSC, Keywords pseudonymisiert (Marketing Factory)
  • Google Search Console für Redakteure: Collage (Public Domain)
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Über Karoline Steinfatt

Bio als 3. Abifach. Orchideenfächer studiert. Jetzt 'was mit Internet. U.a. Frontend, TYPO3, Social Media und Suchmaschinen.

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