Webtechnologien – HTML5, CSS3 & Co – Ein Recap vom 28. Multimediatreff in Köln

Patrick H. Lauke auf dem Multimediatreff 28
Patrick H. Lauke auf dem Multimediatreff 28
(Foto: CvPoser,CC BY-NC-SA 2.0 *)

Bei dem 28. Multimediatreff in Köln ging es dieses Jahr um die heilige Dreifaltigkeit der Zukunftstechnologien im Webdesign: HTML5, CSS3 und JavaScript. Zu Einstimmung erst einmal einige die Einzelthemen übergreifende Grunderkennisse:

  • Es gibt wenig verbliebene Gründe, HTML5 noch nicht in neuen Projekten einzusetzen.
  • Die meisten sogenannten HTML5 Demos sind gar keine. (Sondern fast alles nur Kombinationen aus CSS3-Demos und JavaScript-Demos.)
  • Die wahren Vorteile der neuen Technologien liegen „unter der Oberfläche“
  • Man soll nicht alles glauben, was in den „Technikboulevard-Medien“ berichtet wird.

Die schöne neue Welt von HTML5

Nach der Keynote wurde mit der schönen neuen Welt von HTML5 von Patrick H. Laucke (@patrick_h_lauke) der Vortragsreigen eröffnet. Der Opera-Webevangelist fasste in seinem Vortrag noch einmal übersichtlich die Geschichte der Missverständnisse über HTML5 in geordnete Strukturen zusammen. Auf Twitter am häufigsten zitiert wurde der Slogan „Make #browserlove not #browserwar“.
[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=13FuU7eNGG0[/youtube]
Leider dauerte der Vortrag in der (ungewohnten) deutschen Sprache länger als vom Sprecher antizipiert, daher wurde abgebrochen, bevor die spannenderen Teile wie die Eignung von Frameworks zum Einsatz von Progressive Enhancement oder Graceful Degradation zur Sprache kamen. Zum Glück sind diese aber im frisch veröffentlichten Slideshare nachzuvollziehen.
http://www.slideshare.net/redux/schne-neue-welt-von-html5-multimediatreff-28-kln-03122011

HTML5 gestern, heute, morgen

Damit es zu keinen Überschneidungen mit dem HTML5-Rundumschlag seines Vorgängers kam, hatte Peter Kröner  (@sir_pepe)  einen frisch entwickelten, praxisnahen Workshop im Gepäck, wie sich mit HTML5 und Javascript eine offlinefähige Applikation schreiben läßt. Schließlich handelte es sich ja nur um ein Gerücht, dass es in Deutschland Internet gibt, was man bemerkt, wenn der ICE den Großstadtbahnhof verlassen hat. Top-Twitter-Fazit:
„Jedes Browser-Problem geht weg, wenn man nur genug JavaScript darauf wirft!“.

Nachtrag: Die Folien in HTML5 gibt es jetzt endlich auch online: http://sirpepe.fornax.uberspace.de/slides/mmt28/

CSS3 & Responsive Web

Bei Sven Wolfermann (@maddesigns) ging es dann um CSS3 und Responsive Web. Auch hier war die Zeit leider abgelaufen, bevor das interessante Kapitel der Präprozessoren abgehandelt werden konnte. Daher sei ebenfalls auf die Slides verwiesen. In diesem Fall standesgemäß präsentiert in schönem HTML5/CSS3.
http://maddesigns.de/css3-responsive/template/

Adobe »Edge to the Flash«

Andre Jay Meissner (@klick_ass) hatte den ungünstigsten Vortragsslot direkt vor der Pizza-Schlacht erwischt, wodurch seine Ausführungen zu Adobes neuen Entwicklungstools mit einer gewissen Ungeduld rezipiert wurden.

Für Besorgnis bei den anwesenden Mobile-Entwicklern sorgte die Nachricht, dass Adobe jetzt die Anbieter von Phonegap, der führenden Cross-Platform-Entwicklungssoftware für Mobilgeräte aufgekauft hat. Allerdings wird Phonegap an die Apache Software Foundation übergeben und dort weitergepflegt werden.

Es folgten einige lautstarke Demos, die die Daseinsberechtigung von Flash im Spielebereich erweisen sollten. (Zum Glück entschied sich der Vortragende beim Buchstabenspiel für die jugendfreie Wort-Lösung – sehr zum Erstaunen des Publikums).

In einer Live-Demo wurden dann die Animationsfähigkeiten von Adobe Edge vorgeführt, das in seiner Bedienung bereits stark an das Flash-Backend erinnert. Der generierte Code für die HTML-Seite sah dann zwar zunächst auch schön sauber aus. Was jedoch (wohlweislich?) nicht gezeigt wurde, waren die Sourcen der eingebauten JavaScripte.

JavaScript: Von einfachen Scripten zu komplexen Anwendungen

Größere JavaScript-Projekte ohne böse Überraschungen umsetzen mit Molily
(Foto: CvPoser,CC BY-NC-SA 2.0 *)

Mathias Schäfer (@molily) führte dann im folgenden Vortrag von einfachen Scripten zu komplexen Anwendungen in Javascript. Besonders im Focus standen Methoden und Strukturen, mit denen sich komplexe JavaScript-Anwendungen realisieren lassen. Metasprachen wie CoffeScript ermöglichen es, auf einer abstrakteren Programmierebene mit JavaScript zu arbeiten. Die Slides (und die noch wichtigeren weiterführenden Links) gibt es unter http://molily.de/weblog/mmt28
Für Irritationen bei diesem Nerd-Thema sorgte lediglich das Siezen des Publikums.

Node.js – All your Servers are belong to us

Sebastian Golasch (@asciidisco) von Denkwerk stellte danach node.js vor, eine Server/Framewerklösung für hoch-skalierbare JavaScript-Applikationen. Besonders gefiel die Burgerking-Metapher, mit der die Unterschiede zur Arbeitsweise herkömmlicher Webserver illustriert wurde.
Auch wenn sich das serverseitige JavaScript noch keiner großen Verbreitung im Praxiseinsatz erfreut, lohnt es sich auf jeden Fall, die weitere Entwicklung zu beobachten. Besonders für Serverapplikationen, bei denen extrem hohe Lastspitzen zu erwarten sind.
Der Vortrag ist unter http://mmt.asciidisco.com/ mit ebenfalls einer sehr stylischen HTML5 Präsentation als Slides. (Warnung an Programmierer – bitte nicht aufrufen bei übertriebener Empfindlichkeit gegen Java-Dissing.)

Von WAI-ARIA nach HTML5 und zurück, oder doch nicht?

Marco Zehe twittert schnell noch etwas, bevor der Vortrag beginnt - (Foto: CvPoser,CC BY-NC-SA 2.0 *)
Marco Zehe twittert noch schnell etwas, bevor der Vortrag losgeht
(Foto: CvPoser,CC BY-NC-SA 2.0 *)

Eine beeindruckende Praxis-Demonstration der Fähigkeiten von HTML5 bei zugänglicheren Formularen gab es dann vom Marco Zehe (@marcozehe), dem Qualitätsbeauftragten für Barrierefreiheit bei Firefox. Dabei war es besonders lehrreich, einmal einen (verlangsamten) Screenreader in Aktion beim Ausfüllen von Formularfeldern zu erleben. Die Best-Practice-Lösung für Formular-Rückmeldungen gibt es auf dem Blog von Marco zur Ansicht.
Der Blogeintrag zum Vortrag: http://www.zehe-edv.de/2011/12/04/von-wai-aria-nach-html5-und-zuruck-oder-doch-nicht/

Ein Vortrag, der völlig ohne Slides auskam, aber trotzdem die Zuhörer zu begeistern wußte. Da hier erstmalig das Timing stimmte, blieb zeitlich genug Freiraum, um die WZ noch einmal wegen ihres unzugänglichen Relaunches zu beschimpfen. Und ein grundsätzlich wichtiger Hinweis: Wann immer es geht, sollten die neuen Type-Attribute in den Formularen verwendet werden, da diese besonders bei mobiler Eingabe viel Zeit sparen können.

Web Performance Optimization – Ein detaillierter Überblick

Weiter ging es mit Ladezeitoptimierung von Alois Reitbauer (@AloisReitbauer). Ein Thema, was im Bereich der Webentwicklung zunehmend an Bedeutung zunehmen wird, ist die Optimierung der Ladezeiten. Und zumindest ein Thema, dass sich auf CFO-Ebene leicht durchsetzen lassen sollte, da es eine Menge Geld sparen und einbringen kann. Ich vermute allerdings, dass die tatsächliche Verbreitung von serverseitiger Gzip-Komprimierung bereits fortgeschrittener ist, als es die Rückmeldungen vermuten ließen (es hatte wohl keiner der Anwesenden mit der englischen Aussprache des Moduls gerechnet).

Die wichtigen Slides gibt es unter http://blog.dynatrace.com/2011/12/05/mmt-28-slides-and-more/

[Das danach folgende ASP.net MVC 4 Panel von Patric Boscolo habe ich dann leider – wegen mangelnder Anwendbarkeit in LAMP-Umgebungen – ausfallen lassen.]

Der Rest vom Fest

Die Organisation des Treffs verlief reibungslos, die Location war gut geeignet, wenn auch etwas umständlich bei der Essens-und Getränkebeschaffung. Dafür war ausgiebig für das leibliche Wohl gesorgt, z.B. mit Brötchen und Gratisgetränken von Beginn an (ich habe das Gefühl, mich seit Wochen nur noch auf Kosten von denkwerk zu ernähren). Bei der großen Pizza-Schlacht am Nachmittag kamen dann auch alle bis auf den zu spät gekommenen Sponsor Webstandardsmagazin auf ihre Kosten.

Fazit: Eine gelungene Veranstaltung mit dem Blick für das große Ganze und ausgewogenem Programm. Einige der Vorträge hätten ruhig noch länger sein können, um in die wirklich interessanten Bereiche vorzustoßen. Das nächstes Mal gerne wieder!

Weitere Recaps:

 

Bildnachweis:
Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von CvPoser – Lizenz CC BY-NC-SA 2.0

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Über Karoline Steinfatt

Bio als 3. Abifach gehabt. Orchideenfächer studiert. Und jetzt mach' ich irgendwas mit Internet, Social Media und Suchmaschinen. Geschäftsleitung bei der Marketing Factory Consulting GmbH.

Homepage: http://www.marketing-factory.de/

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