Die 7 Todsünden des TYPO3 Redakteurs

Disclaimer: Nicht jede dieser Taten resultiert automatisch in der Verbannung in die TYPO3 Hölle. Es könnte sein, dass ich ab und zu aus unterhaltungstechnischen Gründen vielleicht ein kleines Bisschen übertreibe. Vielleicht. 

Stellen wir uns die folgende Situation vor: Wir sitzen auf der Arbeit, als uns plötzlich der Kunde per Mail, Telefon oder Ticketsystem mit einem redaktionellen Anpassungswunsch überrascht. Wir haben so etwas als erfahrener TYPO3 Editor natürlich schon 1.000.000 Mal gemacht – von daher öffnen wir voller Tatendrang das entsprechende TYPO3 Backend, um die gewünschte Anpassung schnell und elegant umzusetzen. Wir suchen die gewünschte Seite im Seitenbaum, klicken schnell und…

…auf der Seite erstrecken sich kilometerlang unbenannte Content-Elemente. In mindestens sieben Lokalisierungen versteht sich. Die wir nun ALLE. NACHEINANDER. DURCHKLICKEN. DÜRFEN. UM. DAS. RICHTIGE. ZU. FINDEN. That’s it. I’m leaving.

Um uns und Euch solche und ähnliche Situationen (hoffentlich) zukünftig ersparen zu können, hier nun ein kleiner Überblick über die 7 Todsünden des TYPO3 Redakteurs, die kein Redakteur jemals machen sollte. Zumindest nicht, wenn man seine Mitmenschen nicht hasst.

Sünde 1: Content Elemente ohne Namen erstellen

surprised koala
Jedes Mal, wenn ein Redakteur ein unbenanntes Content-Element anlegt, stirbt ein niedlicher, flauschiger Koala.

Wie der süße Koala bereits verrät: Bitte erstellt keine Content Elemente, ohne ihnen einen Namen zu geben. Bitte. Auch nicht auf Seiten mit wenig Content. TYPO3 setzt nämlich bei Text-Elementen bzw. Text-Bild-Elementen einfach das als „Überschrift“, was in dem Textfeld steht. Und das wird schnell unübersichtlich. Selbiges gilt übrigens auch für die Lokalisierung von Inhaltselementen. Standardmäßig setzt TYPO3 nämlich dann einfach ein (copy 1).

Tut euch einfach selbst den Gefallen: Gebt dem Kind einen Namen. In 1-2 Jahren weiß sonst nämlich garantiert niemand mehr, in welchem Content Element was überhaupt steht. Und soll dann genau so ein Element bearbeitet werden, ist das Geschrei groß.

Unser Tipp: Wem kreatives Schreiben nicht liegt, der kann die Elemente auch einfach „Einleitung“, „Absatz 1“ usw. benennen. Ein kurzer Titel ist besser als kein Titel. 

Sünde 2: Der Bildupload im Content-Element

Hört zu: Es gibt da so ein super praktisches Dateimanagement-System, dass direkt in TYPO3 integriert ist: Das FAL. Dort kann man alle Dokumente und Dateien, die man auf der Webseite benötigt, einfach in thematisch passenden Ordnern sortieren und sammeln. Sucht man dann mal ein bestimmtes Dokument, so findet man es Dank der logischen Zuordnung in dem korrekten Ordner schnell und unkompliziert. Soweit zumindest die Theorie.

Die Realität hingegen sieht leider häufig anders aus: Lädt man eine Datei nämlich direkt im Content-Element hoch, so landet sie nicht automatisch in einem passenden Ordner, sondern in user_uploads. Und wenn sie dort erst einmal ist, kann man sich auch eigentlich direkt einfach ins Knie schießen. Die findet man nie wieder, wenn man mehr als 100 Dateien im System hat. Erschwert wird dieses Phänomen in der Realität zudem noch dadurch, dass einige Dokumente jährlich/monatlich/quartalsweise angepasst und als neue Datei hochgeladen werden. Die veralteten Dokumente werden dann meist nicht gelöscht, sodass es dann – in guten Fällen – 6 bis 20 Versionen einer Datei mit einem Dateinamen gibt.

Unser Tipp: Wenn Ihr gerade dabei seid, einen Relaunch einer bestehenden TYPO3 Installation durchzuführen – macht unbedingt ein Cleanup der Dateiliste. Ihr schleppt die Altlast sonst nur weiter mit Euch rum. Nachträglich eine geordnete Ordnerstruktur zu etablieren ist nämlich leider fast unmöglich. Wenn Ihr hingegen mit einem neuen TYPO3 startet – nehmt Euch die Zeit und setzt eine ordentliche Ordnerstruktur im FAL auf. Was zunächst mühselig und zeitaufwändig erscheint, wird Euch auf lange Sicht hin viele Stunden Arbeit und Suchen ersparen. 

Sünde 3: Passend dazu – Bilder im RTE einbauen

Ja, man kann den ck_editor so konfigurieren, dass man Bilder direkt in den Text einpflegen kann. Allerdings raten wir stark davon ab. Auch, wenn das auf den ersten Blick die simpelste Variante sein mag – mit einem einfachen Bild-Text-Element lässt sich dasselbe erreichen. Nur technisch sauber.

Denn spätestens, wenn die Inhalte einmal migriert werden müssen, stößt man bei der Verwendung von Bildern im RTE auf Probleme. Außerdem: Bilder im RTE können nicht mit Meta-Daten ausgestattet werden und haben daher auch SEO-technische Nachteile. Ein Alt-Tag ist nämlich beispielsweise immens wichtig für die Barrierefreiheit einer Website.

Sünde 4: Ne, Bildnachweise pflegen brauchen wir nicht

Doch. Punkt. Siehe hier.

Sünde 5: H3, H1, Fett, Bunt und unterstrichen – Endgegner Semantik

Die Semantik des Inhalts einer Seite ist immens wichtig und sollte daher keinesfalls missachtet werden. In der Regel werden für eine Webseite 3 bis 4 Arten von Überschriften definiert, die jeweils H1-H4 heißen und sich in Schriftgröße, Fette und ggfs. sogar Schriftart unterscheiden. Eigentlich ist ihr Aufbau selbsterklärend:

H1: Überschrift erster Ordnung
Auf jeder Seite sollte es eine H1-Überschrift geben, die das Hauptthema der Seite darstellt.

H2: Überschrift zweiter Ordnung
H2-Überschriften sind logischerweise die Unter-Überschriften, die sich mit Unterthemen zu dem Hauptthema beschäftigen.

H3: Überschrift dritter Ordnung
H3-Überschriften sind demzufolge die Überschriften, die für Unterpunkte der Unterthemen verwendet werden.

H4…

Ich denke, Ihr versteht, worauf ich hinaus will. Aber warum sollte man sich an eine solche Überschriften-Hierarchie halten? Man kann ja auch einfach wichtiges unterstreichen, random fetten oder die Schriftgröße verändern.

Erstens: Eine klare, visuelle Unterteilung der Inhalte erleichtert den Besuchern das Aufnehmen der Informationen. Keiner von uns liest gerne lange, kleingedruckte Texte, nur um eine bestimmte Information finden zu können. Mit der richtigen Struktur ermöglicht Ihr es Euren Nutzern, die Inhalte direkt überfliegen und im thematisch passenden Abschnitt nach den gewünschten Informationen suchen zu können. Außerdem sieht eine Seite mit geordneter Struktur immer professioneller aus, als eine mit viel Text, ein paar Fettungen und Unterstreichungen hier und da und bunten Punkten.

Zweitens: Die Semantik einer Seite hat auch für SEO eine große Bedeutung. Durch die Verwendung der verschiedenen h-tags könnt Ihr den Suchmaschinen sagen, welche Inhalte wichtig und welche ggfs. weniger wichtig sind. Suchmaschinen werten die Überschriften von H1 bis H6 mit abnehmender Bedeutung. Ergo: Es sollte pro Seite idealerweise eine einzige H1-Überschrift geben und im Anschluss semantisch korrekte H2-H4 Überschriften.

Unser Tipp: Einfach machen. Eure Nutzer werden es Euch danken. Und Google auch 🙂 

Sünde 6: Bunter ist nicht immer besser

Hierzu gibt es bald noch einen eigenen Post „Wenn Redakteure das Layout zerstören ODER Warum sieht mein CMS nach kurzer Zeit so kacke aus?“. Aber dazu später mehr.

Für die meisten TYPO3-Installationen definiert man vor Inbetriebnahme einen Styleguide (es sei denn, es existiert bereits einer) und legt darin fest, welche Content-Elemente wie aussehen können und sollten. Darauf aufbauend werden im Anschluss die entsprechenden Content-Elemente erstellt und für die Redakteure im Backend zugänglich gemacht.

Sind die Redakteure jedoch nicht richtig geschult, oder existiert kein „Leitfaden“ für die richtige Verwendung der Inhaltselemente, so kann es schnell passieren, dass verschiedene Seiten auf einer Webseite nicht nur nicht gleich aufgebaut, sondern teilweise auch „zweifelhaft“ designed sind. Nach dem Motto: „Geil, jetzt son gelber Kasten. Dann wirkt der Inhalt bestimmt richtig catchy.“

Todsünde des TYPO3 Redakteurs No. 6: Je bunter, desto besser
Ich lass das mal einfach hier so stehen.

Sünde 7: Beim Löschen gilt – Im Zweifel lieber doppelt nachfragen

…denn ist die Seite erstmal gelöscht, entsteht vergleichsweise viel Aufwand, das Löschen wieder rückgängig zu machen. Den könnt Ihr Euch sparen und wir uns damit auch. In TYPO3 habt Ihr als Redakteur immer die Möglichkeit, eine Seite (oder auch ein einzelnes Inhaltselement) zu verstecken (Stichworte: hide in menu / disable). Es besteht in der Regel nur selten der Bedarf, eine Seite von jetzt auf gleich komplett zu löschen.


Apropos: Man hört ja immer wieder, dass TYPO3 so furchtbar nutzerunfreundlich wäre. Dazu kann man nur sagen: Manchmal ist auch einfach der Mensch vor dem Bildschirm das Problem. Wer sich an die von TYPO3 vorgegebenen Nutzungsmöglichkeiten und Funktionalitäten hält, der hat mit TYPO3 ein sehr cleanes, strukturiertes Content Management System an seiner Seite. 

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Über Luisa Sofie Faßbender

Seit September 2015 als Projektleiterin bei der Marketing Factory | Blog-Sklaventreiberin | TYPO3 Project Marketing | 🦄

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2 Gedanken zu „Die 7 Todsünden des TYPO3 Redakteurs“

  1. Na ja nur meckern geht aber auch nicht 😉
    1) Mann kann den header_title pro Element vorbelegen TCEForm ist dein Freund, somit zwingt den Entwickler den Redakteur es umzubenennen oder mind. auf _verborgen_ zu setzen.
    2) wenn man das nicht möchte entweder den Upload pro Element verbieten oder umlenken da hier die options pro Gruppe oder User gesetzt werden kann hat man wenigstens schon Mal einen User bzw Gruppen Ordner. Zudem kann man das ganz noch sauber hooken
    3) bin ich bei dir .. Versuche ich immer abzuraten 😉
    5) die h1 ist , wenn nicht anders geplant immer der Seitentitel darum rein ins Template und h1 konsequent aus _header_layout_ löschen. Redakteur darf keine h1 pflegen können.
    6) wir sind nicht bei WordPress wenn dein Redakteur layouten kann läuft irgendwas falsch. Rechte kontrollieren, Elemente wegnehmen, Felder wegnehmen. Und wenn der in colPos=1 nur ein Text und Bild Element setzen kann dann tut der Redakteur auch nichts anderes 😉
    7) Redakteur sollten sich austoben können und das Gefühl haben dass nichts kaputt gehen kann. Darum Recycler in der filelist und im Seitenbaum aktivieren und Rücknahmen sind kein Problem.

    Fazit:
    Wenn der Redakteur was falsch macht ist in 90% der Fälle der Entwickler in der Pflicht das zu verhindern.
    Der Redakteur soll ohne Angst im Backend agieren können.
    Auftritte die dem Redakteur „möglichst viele“ Freiheiten gönnen, sind die Auftritte bei denen der Redakteur irgendwann sagt ihm ist das zu kompliziert und somit ist TYPO3 zu kompliziert.
    Geht nicht vom Poweruser aus!

    1. Hallo lieber Michael,

      vielen Dank für dein Kommentar 🙂 Wie bereits in der Einleitung vermerkt: Das Ganze soll zwar auf die – aus unserer Erfahrung – häufigsten Probleme, die im Rahmen der Zusammenarbeit mit den verschiedensten Kunden und TYPO3 Redakteuren aufgefallen sind hinweisen, jedoch soll der Beitrag auch durchaus einfach etwas unterhaltsam sein und Dinge der Unterhaltung halber verschlimmert darstellen. Natürlich stirbt kein Koala wenn man ein No-Title Element anlegt – unschön ist es trotzdem 😉

      Ich stimme dir bei deinem Fazit leider nicht 100%-ig zu: Natürlich haben wir als entwickelnde Agentur die Möglichkeit Grenzen zu setzen und die Rechte der Redakteure hinsichtlich bestimmter Funktionalitäten einzuschränken. Rein technisch ist das vollkommen richtig und ich gebe dir Recht. Jedoch ist es nun einmal nicht nur unsere Entscheidung, welche Funktionalitäten die Redakteure bedienen können sollen, sondern primär die des Kunden. Und wenn der Kunde seinen Redakteuren einige Frames zur Auswahl geben möchte, dann liegt es nicht in unserer Macht, das nicht zu tun. Natürlich können wir auf mögliche Komplikationen hinweisen; aber im Endeffekt liegt diese Entscheidung beim Kunden. Hier haben wir leider nur die Möglichkeit, auf die Stilsicherheit bzw. die Beachtung des (sofern existenten) Styleguides des jeweiligen Redakteurs zu hoffen. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass wir durchaus über recht etablierte, multilinguale TYPO3 Installationen mit vielen vielen Benutzergruppen und unterschiedlichen Rechteausprägungen sprechen. Verstößt dort ein Benutzer gegen die vom Kunden oder von uns festgelegten Richtlinien, kann es durchaus auf Grund von Vererbungen und Verschachtelungen dazu kommen, dass sich die Anpassung seiner bzw. ihrer Rechte als ziemlich aufwändig erweist.

      Rein aus technischer Sicht gebe ich dir jedoch vollkommen Recht – nur in der Realität sieht das Ganze – zumindest aus unserer Erfahrung – oft anders aus.

      Liebe Grüße,
      Luisa 🙂

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