T3 Marketplace

T3 Marketplace – Richtige Idee, aber leider falsche Umsetzung

Hintergrund: Warum ein TYPO3 Marktplatz?

Die TYPO3 Association hat zur Wahrnehmung der kommerziellen Interessen 2016 die TYPO3 GmbH mit Sitz in Düsseldorf gegründet. Im Vorfeld wurde ein Business Plan erstellt, welcher auch die grundsätzliche Roadmap für das Geschäft der TYPO3 GmbH ist. Ein wesentlicher Baustein ist dabei ein App-Store (Marketplace) für TYPO3.

Das Geschäftsmodell ist dabei das gleiche, wie bei anderen App-Stores: Entwickler von Programmen / Autoren von Inhalten / Betreiber von Dienstleistungen können diese auf einer zentralen Plattform für Kunden kostenpflichtig zur Verfügung stellen. Der Betreiber des App-Stores erhält von den Käufen eine prozentuale Provision für die Zahlungsabwicklung und für die Bereitstellung des Systems. Mit den Provisionen soll sowohl der Betrieb und die Weiterentwicklung des Stores, als auch die Weiterentwicklung von TYPO3 unterstützt werden.

Wir kennen solche Marketplaces bereits aus anderen Projekten wie z.B. Magento Marketplace oder Shopware Store und sind der Meinung, dass auch die TYPO3 Community von einem solchen Marktplatz enorm profitieren wird. Mit der Aussicht auf weiteren Umsatz werden bisher private Entwicklungen im Marketplace einer breiteren Öffentlichkeit angeboten. Auch wird das ganze Thema „Themes“ einen neuen Schwung bekommen, wenn man einfach an einer zentralen Stelle geeignete Layouts für seine Installation beziehen kann. Wir können uns vorstellen, bestimmte Erweiterungen für TYPO3 Commerce anzubieten oder selbst verschiedene Services oder Extensions dort einzukaufen.

Vorgezogene Entwicklung durch Agenturen

Nach dem Start der TYPO3 GmbH wurde klar, dass diese viel mehr Aufgaben von der Association (dem Eigentümer der GmbH) übernehmen soll, als zunächst im Business Plan vermerkt wurde. Die Prioritäten haben sich verschoben und der App-Store kann nicht so schnell gestartet werden, wie zunächst gehofft.

Um das Thema zu beschleunigen haben die drei Agenturen pagemachine, snowflake und webvision auf Kickstarter eine Kampagne für den TYPO3 Marketplace gestartet: T3marketplace. Die Agenturen haben ein Umsetzungskonzept für einen Marketplace erstellt und wollen via Crowdfunding die Umsetzung finanzieren. Der Marketplace soll nach der erfolgreichen Umsetzung und, nachdem die Umsätze des Marketplace die Betriebskosten decken, an die TYPO3 GmbH übergeben werden.

Warum der Marktplatz so nur schlecht funktionieren wird

Da ein Marketplace für das TYPO3 Projekt eine sehr wichtige Weiterentwicklung ist, habe ich für uns die Initiative und das bisherige Umsetzungskonzept geprüft, um zu entscheiden, ob wir diese Initiative unterstützen. Um es kurz zu machen: Wir werden diese Initiative nicht unterstützen.

Warum? Hier sind unsere Gründe:

Die Integration in TYPO3 steht bei dem t3marketplace erst sehr weit hinten an. Ich hingegen bin der Meinung, dass dies einer der wichtigsten Punkte in der Entwicklung sein müsste:

    • Damit ein App-Store oft genutzt wird, muss dieser direkt in das Produkt integriert sein. Als potentieller Käufer möchte ich die kostenpflichtigen Angebote direkt neben den kostenfreien Angeboten an einer Stelle sehen. Wenn die kostenpflichtigen Angebote an einer anderen Stelle angeboten werden als im TER (TYPO3 Extension Repository), dann ist das zumindest eine Hürde für Neueinsteiger sie zu finden. Es besteht dann eine sehr schlechte Vergleichsmöglichkeit zwischen den Lösungen aus dem TER und denen aus einem (oder sogar mehreren) externen Systemen. Wie das richtig geht, machen die Shops von Apple und Google auf dem Handy vor – Shopware hat das auch ganz gut gelöst.
Gut umgesetzt wurde ein solcher App-Store von Shopware: Man hat eine direkte Übersicht über alle Plugins und kann Updates etc. in der linken Spalte einsehen.

Wenn ich eine Extension im t3marketplace kaufe, dann möchte ich als Integrator und Betreiber einer Webseite mindestens den gleichen Komfort haben, wie bei öffentlichen Extensions.

  • Im TYPO3 Backend möchte ich eine Meldung bekommen, wenn es ein (Sicherheits-) Update gibt
  • Via Caretaker möchte ich den aktuellen Versionsstatus abfragen können
  • Via Composer möchte ich die Extension installieren und aktivieren können
  • Via t3console sollte ebenfalls eine Installation oder ein Update möglich sein

Ohne eine Integration in die vorhandenen Systeme, muss ich diese Punkte mindestens mit dem Betreiber des Appstores klären, wenn nicht sogar mit dem Verkäufer einer Extension oder eines Themes.

  • Wünschenswert wäre auch eine Integration der kostenpflichtigen Extensions in alle anderen Prozesse, wie z.B. die Security Bulletins oder unsere Code-Analyse.

Nach den derzeit vorliegenden Informationen steht aber zunächst das Installieren eines Systems im Vordergrund, mit dem digitale Güter verkauft werden können. Ein Ansatz für die Integration in die oben beschriebenen Prozesse und Systeme fehlt derzeit noch. Wenn diese Integrationen aber nicht von vorne herein mit berücksichtigt werden, dann ist es zu einem späteren Zeitpunkt sehr schwer (oder vielleicht unmöglich) diese nachträglich noch zu schaffen.

Fazit

Wie bereits zuvor beschrieben,  ist ein App-Store für TYPO3 wichtig. Daher können wir uns schon vorstellen, andere Konzepte als den t3marketplace zu unterstützen; aber auf Grund der oben genannten Schwächen werden wir t3marketplace nicht unterstützen.

Anderer Meinung? Über Kommentare im Blog freuen wir uns immer!

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Über Ingo Schmitt

Spricht Typoscript, php, und sql. Perl und bash verhandlungssicher.Besitzt java Grundkenntnisse.
Ist als CTO in der Geschäftsleitung zuständig für Entwicklung und Betrieb und bloggt hier über alles was technisch interessant ist.

Homepage: http://www.marketing-factory.de

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4 Gedanken zu „T3 Marketplace – Richtige Idee, aber leider falsche Umsetzung“

  1. Für mich stellt sich die Frage, welche Probleme ein Marketplace überhaupt lösen soll. Geht es nur um Erweiterungen? Oder soll man auch Leistungen (z. B. Backup, Monitoring usw.) buchen. Oder geht es auch um Dienstleistungen (Integrator, Developer usw.) Wie sieht der Workflow aus? Habe ich einen Testzeitraum für Premium-Erweiterungen? Wie sieht es mit Review-Prozessen aus, um das Abgreifen von Daten zu unterbinden? Wer übernimmt im Schadendsfall die Verantwortung?

    Ich kann zwar die Idee, aber kein richtiges Konzept hinter dem t3marketplace sehen.

  2. Für mich wäre der t3marketplace die richtige Herangehensweise gewesen. Das Konzept ist mit dem magento Marketplace vergleichbar, jedoch noch erweitert um Dienstleistungen etc.
    Eine Shop/Marketplace Umgebung wie sie Magento bietet wäre ideal gewesen um alle möglichen Szenarien abzudecken. Eine Integration in TYPO3 wäre zwar schön aber vom Aufwand her schwierig zu stemmen. Zumindest wenn man einen feature-rich marketplace wie er mit einem Shop System möglich wäre, integrieren möchte. Ich bin der Meinung da wurde eine grosse Chance verpasst. Das TER kann einem marketplace das Wasser nicht reichen da z.B. Ratings/Feedbacks fehlen. So sind im TER weiterhin viele Ext. schlecht dokumentiert und z.T. nur mit viel Zeitaufand zu installieren.

    1. Wenn es nur darum geht, eine externe Stelle (also nicht in TYPO3 integriert) zu haben mit der virtuelle Güter verkauft werden, dann braucht man das Rad nicht neu zu erfinden. Eine White-Label Lösung eines bestehenden Softwarestores würde ausreichen und wäre wahrscheinlich noch schneller und einfacher zu installieren.

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